Vorschau Münster-Tatort: Doppelgänger im Visier

Das dürfte ein Novum in der „Tatort“-Geschichte sein: Beide Ermittler, der Kommissar und der Rechtsmediziner, stehen auf einem Fahndungsaufruf. Sie werden nicht etwa verfolgt, sondern haben das Plakat sogar selbst in Auftrag gegeben, um ihre Doppelgänger zu finden. Autor Benjamin Hessler ließ sich von eigenen Erfahrungen zu dieser Story inspirieren: Er sieht seinen Brüdern täuschend ähnlich.

Im Fall „Spieglein, Spieglein“ wird nun Tag für Tag jemand erschossen, der einem Mitglied des Münsteraner Kripo-Teams ähnelt. Das erste Opfer gleicht der Staatsanwältin Klemm, das nächste ist kleinwüchsig wie Boernes Assistentin „Alberich“, das dritte ist ein Taxifahrer mit grauem Pferdeschwanz wie der Vater von Kommissar Thiel. Unbelastet erscheint nur der Neue: Björn Meyer spielt die Kaffee kochende Schwangerschaftsvertretung von Friederike Kempter.

Angenehme Abwechslung: Weniger Gelegenheit für Witzeleien und Kalauer

Um die Täterin macht der Krimi kein Geheimnis. Kathrin Angerer erscheint als typische „graue Maus“, die sich als Mitarbeiterin der Verkehrsbehörde die Opfer ausguckt. Für Spannung sorgen die Fragen, warum sie das tut und wie nahe sie den Doppelgängern von Boerne und Thiel kommt. Besonders hoch steigt der Pegel allerdings nicht an.

Dafür bietet der Münsteraner „Tatort“ mal eine ganz andere Spielfläche für seinen besonderen Humor. Regisseur Matthias Tiefenbacher hat Erfahrung, ist hier schon zum fünften Mal am Start. Thiel und Boerne werden diesmal auf sich selbst zurückgeworfen, sehen sich im Spiegel. Beide haben dabei weniger Gelegenheit für ihre Witzeleien und Kalauer – das ist durchaus angenehm.

Natürlich lassen es sich Axel Prahl und Jan Josef Liefers nicht nehmen, ihre Doppelgänger schließlich selbst zu spielen. Prahl ist im Finale zweifach zu sehen, Liefers dagegen darf die obligatorische Eitelkeits-Show seines Professor Boerne abliefern. Während das potenzielle Opfer, ein Musikprofessor, gerade eben der Gefahr entkommen ist, interessiert sich Boerne nur noch für dessen cooles Brillenmodell.

Tatort: Spieglein, Spieglein.  So, 20.15, ARD