War Nachbarschaftsstreit Grund für Mordversuch von Osburg?

Osburg.

Ermittler nehmen fast zwei Jahre nach Schüssen auf einen 35-Jährigen einen Verdächtigen fest. Der Mann lebt in unmittelbarer Nähe zum Tatort.
Von Bernd Wientjes

Es war ein Mordversuch, von dem kaum jemand etwas mitbekommen hat. Bekannt geworden ist er der Fall erst, als in der ZDF-Sendung Aktenzeichen…XY ungelöst im Januar darüber berichtet worden ist. Bis dahin haben die Ermittler nur gewusst, was sich am 12. August 2017 in dem 2500-Einwohner-Ort Osburg (Trier-Saarburg) ereignet hat.

Jemand hat in der Nacht durch den Rollladen eines geschlossenen Fensters mit einer abgesägten Schrotflinte in das Wohnzimmer eines Hauses. Die Schrotladung durchschlug Rollladen und Fenster und ist die gegenüberliegende Wand eingedrungen. Der allein in dem Haus lebende 35-jährige Bewohner schlief zu dem Zeitpunkt auf dem Sofa. Nur durch Glück sei er nicht getroffen worden, sagten Ermittler später.

Wer hinter dem „Mordversuch auf dem Sofa“, wie der Fall in der ZDF-Sendung angekündigt worden war, war bis Dienstag völlig unklar. Zwar gingen nach der Sendung über 30 Hinweise ein, doch eine Spur, die zu dem Täter führte sei nicht dabei gewesen, sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt, Peter Fritzen.

Trotzdem klickten am vergangenen Dienstag die Handschellen. Und zwar in Osburg, in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem 35-Jährigen, auf den im Sommer 2017 geschossen worden war. Die Polizei hat dort einen 54-Jährigen festgenommen. Fritzen spricht von „intensiven Ermittlungen“, durch die sie dem unter anderem wegen Drogen- und Gewaltdelikten vorbestraften Mann auf die Spur gekommen sei.

Was genau die Ermittler zu dem Mann geführt hat, verrät der Chef der Trierer Staatsanwaltschaft nicht. Nur so viel: Man habe den 54-Jährigen bereits vorher im Visier gehabt. Es sei aber nicht so gewesen, dass man mit der Ausstrahlung des Falles in Aktenzeichen den Mann habe unter Druck setzen wollen oder gehofft habe, wie es bereits bei anderen in der Sendung gezeigten Kriminalfällen war, dass aus dessen Umfeld der entscheidende Hinweis auf den möglichen Täter kommt. „Gleichwohl“, sagt Fritzen, „war die Ausstrahlung des Falles in der Sendung für die weiteren Ermittlungen hilfreich.“

Er ist davon überzeugt, dass die durch den Rollladen abgefeuerten Schüsse aus der Schrotflinte dem 35-jährigen Bewohner des Hauses gegolten haben. Auch dass der nun festgenommene 54-Jährige der Täter ist, ist sich Fritzen sicher. Als Motiv für den Beinahe-Mord komme nach den Ermittlungen eine vorangegangener Streit zwischen dem Tatverdächtigen und dem 35-jährigen Hausbewohner in Betracht.

Der 54-Jährige sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter des Trierer Amtsgerichts hat laut Fritzen einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes und des unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe erlassen. Wann letztlich die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Mann erheben wird, steht noch nicht fest.