"Wozu 5G an jeder Milchkanne?"

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat seinen Bericht zum Stand der deutschen Einheit verteidigt. Präsident Reint Gropp bekräftigte in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, dass künftig nur noch die Städte gefördert werden sollten. “Die großen Städte sind Motor der Entwicklung – und strahlen auf das Land aus”, sagte Gropp.

Gropp sagte außerdem, es sei eine Illusion, den neuen Mobilfunk 5G überall anbieten zu können. “Wozu 5G an jeder Milchkanne? Wer soll das leisten? Förderung überall würde sehr viel Geld kosten, das anderswo fehlt.” Gleichwertige Lebensverhältnisse bedeuteten nicht: gleichartig. Nicht jedes Dorf brauche seinen Autobahnanschluss.

Gropp machte zudem darauf aufmerksam, dass es im Osten zwar keine Abwanderung mehr gebe, es aber trotzdem an Fachkräften mangele. “Es fehlt Zuwanderung aus der Europäischen Union. Das sind vor allem junge Leute, die kommen gern nach Deutschland, aber in den Westen.”

Chancen für junge Unternehmen im Osten

Herr Gropp im Gespräch

IWH-Präsident Reint Gropp verteidigt seine Aussagen.
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Der Osten sei noch immer viel ärmer als der Westen und die Einkommensunterschiede seien groß. Es gebe kaum Vermögen und entsprechend kaum Erbschaften.

Als große Chance für den Osten sieht Gropp die “Erfahrungen mit disruptivem Technologiewandel”. Den gebe es im Westen so nicht; er werde aber immer wichtiger, so Gropp. Der Osten biete Chancen für junge Unternehmen und neue Entwicklungen. In der klassischen Industrie sei in Zukunft wenig zu holen. Es brauche daher Neues, gerade bei unternehmensnahen Dienstleistungen und bei der Entwicklung neuer Produkte.

Das Leibniz-Institut in Halle hatte den Bericht “Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall” Anfang März vorgestellt. Er stieß auf viel Kritik. So hatte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, die Aussagen als “undemokratisch, unsozial, politisch unhaltbar” bezeichnet. Auch andere Ost-Ministerpräsidenten äußerten großen Unmut.